
Die Reiche Israel und Juda sündigten beide gegen Gott. Sie brachen den Bund, den Gott am Berg Sinai mit ihnen geschlossen hatte. Gott sandte seine Propheten, um sie zu warnen und zur Umkehr zu rufen. Sie sollten Gott wieder anbeten, aber sie weigerten sich zu gehorchen.

Deshalb ließ Gott es zu, dass ihre Feinde sie vernichteten. Auf diese Weise strafte er sie. Das assyrische Weltreich, eine mächtige und grausame Nation, zerstörte das Reich Israel. Die Assyrer töteten zahlreiche Menschen in Israel. Sie raubten alles, was Wert hatte und brannten vieles im Land nieder.

Die Assyrer sammelten alle Führer und Reichen und fähigen Leute und brachten sie nach Assyrien. Nur die ganz armen Israeliten, die nicht umgekommen waren, blieben im Reich Israel zurück.

Danach brachten die Assyrer Fremde, um in dem Land zu wohnen, das bis dahin das Reich Israel war. Die Fremden bauten die zerstörten Städte wieder auf und heirateten die Israeliten, die übrig geblieben waren. Die Nachkommen dieser Israeliten, die Fremde geheiratet hatten, wurden Samariter genannt.

Die Menschen im Reich Juda sahen, wie Gott das Reich Israel gestraft hatte, weil man dort Gott nicht geglaubt noch ihm gehorcht hatte. Trotz alledem beteten sie weiter die Götzen an, auch die Götter der Kanaaniter. Gott sandte Propheten, um sie zu warnen, aber sie wollten nicht hören.

Ungefähr 100 Jahre, nachdem die Assyrer das Reich Israel zerstört hatten, sandte Gott Nebukadnezar, den König der Babylonier, um das Reich Juda anzugreifen. Babylon war ein mächtiges Reich. Der König von Juda willigte ein, Nebukadnezars Diener zu sein und ihm jedes Jahr hohe Abgaben zu zahlen.

Einige Jahre später lehnte sich der König von Juda jedoch gegen Babylon auf. Daraufhin kamen die Babylonier zurück und griffen das Reich Juda an. Sie eroberten die Stadt Jerusalem und zerstörten den Tempel. Auch alle Schätze der Stadt und des Tempels plünderten sie.

Als Strafe für die Auflehnung des Königs von Juda töteten die Soldaten Nebukadnezars die Söhne des Königs vor dessen Augen und blendeten ihn danach. Dann schickten sie ihn in die Verbannung nach Babylon, wo er im Gefängnis starb.

Nebukadnezar und sein Heer deportierten fast die gesamte Bevölkerung des Reiches Juda nach Babylon. Nur die Ärmsten ließen sie zurück, um die Felder zu bestellen. Die Zeitspanne, während der das Volk Gottes gezwungen war, das verheißene Land zu verlassen, nennt man das Exil.

Und obwohl Gott sein Volk ins Exil schickte und auf diese Weise für seine Sünde strafte, vergaß er es doch nicht, auch nicht seine Zusagen. Gott wachte weiter über sie und sprach durch seine Propheten zu ihnen. Er versprach, dass sie nach 70 Jahren wieder ins verheißene Land zurückkehren dürften.

Ungefähr 70 Jahre später besiegte Kyrus, der König von Persien, Babylon. Das persische Weltreich trat an die Stelle es babylonischen. Die Israeliten wurden nun Juden genannt, und die meisten von ihnen hatten ihr ganzes Leben in Babylon gelebt. Nur ein paar ganz alte Juden konnten sich noch an das Land Juda erinnern.

Das persische Weltreich war mächtig. Es verhielt sich aber wohlwollend gegenüber den Völkern, die es besiegt hatte. Nicht lange nachdem Kyrus der König der Perser wurde, gab er einen Erlass heraus, dass jeder Jude Persien verlassen und nach Juda zurückkehren dürfe, wenn er dies wolle. Er gab ihnen sogar Geld, um den Tempel wieder aufzubauen. Daraufhin kehrte eine kleine Gruppe von Juden nach 70 Jahren im Exil in die Stadt Jerusalem in Juda zurück.

Als die Menschen in Jerusalem ankamen, bauten sie den Tempel und die Mauern um die Stadt wieder auf. Und obwohl sie immer noch von anderen Völkern beherrscht wurden, lebten sie wieder im verheißenen Land und beteten Gott im Tempel an.



